Es ist der 4. Juli 1954. Ein historischer Tag im Berner Wankdorf-Stadion. Rund 60.000 Zuschauer sind Zeugen als die legendäre Mannschaft um Fritz Walter das sogenannte „Wunder von Bern“ vollbringt und Deutschland erstmals den WM-Titel beschert! Doch die Geschichte dieser legendären Mannschaft geht seit vielen Jahren einher mit Dopingvorwürfen und Verschleierungen.
Die Mannschaft von Trainer Sepp Herberger traf im vom Regen geprägten Finale auf den haushohen Favoriten Ungarn. Die Ungarn galten damals als die beste Mannschaft der Welt und als ein unbezwingbarer Gegner. Die deutsche Mannschaft hatte bereits in der Vorrunde gegen Ungarn eine 3:8 Niederlage kassiert und lag auch im Finale bereits nach nur acht Minuten mit 0:2 im Rückstand! Der legendäre Ferenc „Major“ Puskás und Zoltán Czibor erzielten die frühen Tore für die Auswahl aus Ungarn. Schon kurz darauf wendete sich jedoch das Blatt: In der 10. Minute konnte Max Morlock den Anschlusstreffer erzielen, und Helmut Rahn schaffte in der 19. Minute den Ausgleich. Den entscheidenden und siegbringenden Treffer für die deutsche Mannschaft erzielte Rahn dann in der 84. Spielminute. Deutschland lag im Freudentaumel und eine Legende war geboren: „Das Wunder von Bern“!
Jedoch steht hinter der Legende der Helden von 1954 ein großes Fragezeichen! Der Vorwurf des Dopings macht seit vielen Jahrzehnten die Runde! Doping bei den WM-Helden von 1954? Niemals! Oder doch? Ein Tabuthema, welches nur von wenigen hinterfragt wird! Ist das die Angst, vielleicht die Büchse der Pandora zu öffnen?
Bereits 1957 hatte der ungarische Kapitän Ferenc Puskás dem französischen Fachblatt „France Football“ ein Interview gegeben, in dem er über Spritzen und Gelbsucht sprach und die Frage stellte, ob denn bei den Deutschen alles mit rechten Dingen zugegangen sei. Puskás selbst hatte am Finaltag in der Kabine der deutschen Mannschaft Spritzen und Ampullen gesehen. Der ungarische Fußballheld wurde daraufhin vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) aus allen deutschen Stadien verbannt und zur „persona non grata“ erklärt. Der DFB erklärte desweitern, dass die Vorwürfe nicht haltbar wären und der Mannschaft keinerlei Spritzen verabreicht wurden.
Doch die Vorwürfe von Puskás erhielten 2004 neue Nahrung, als der 54er-Platzwart des Wankdorf-Stadions, Walter Brönnimann, gegenüber Journalisten des Magazins „Report“ die Vorwürfe erhärtete. Brönnimann: „Ich habe nach dem Finale beim Putzen leere Ampullen unter den Wasserablauf-Gittern gefunden.“
Prof. Dr. Dr. Franz Loogen, der medizinische Betreuer der Weltmeisterelf, gab später in Interviews zu, den Spielern Spritzen verabreicht zu haben. Die damalige Aussage des DFB, dass den Spielern keine Injektionen verabreicht wurden, war somit widerlegt!
Doch was genau wurde den Spielern gespritzt? Laut Loogen handelte sich bei der Substanz lediglich um Vitamin C: „Wir sind auf den Dreh gekommen, ein Vitamin C den Spielern zu geben. Und das haben sie auch bekommen. Vitamin C, sonst nichts.“ Weitere Hinweise deuten darauf hin, dass den Spielern neben dem Vitamin C auch Traubenzucker injiziert wurde.
Die Verabreichung der Substanzen fand damals nicht bei allen Beteiligten die Zustimmung. So sagte zum Beispiel Albert Sing, Assistent von Bundestrainer Herberger: „Ich habe es unnötig gefunden, aber gut, der Herberger hat nichts gesagt.“
Es ist allgemein bekannt, dass in den 50er Jahren Doping nichts Außergewöhnliches war! Dopinglisten waren non-existent und die Einnahme von leistungsfördernden Mitteln wurde von vielen Vereins- und Verbandsarbeitern offiziell kommuniziert. Medien liegen nachweislich Aussagen von u. a. englischen Vereinsfunktionären vor, dass sie ihren Spieler leistungsfördernde Substanzen verabreicht haben. „Doping“ war kein Tabuthema, sondern ein nicht verbotenes „Hilfsmittel“!
Vitamin C und Traubenzucker sind in keinster Weise Substanzen, die als Doping bezeichnet werden können! Doch die Form der Verabreichung durch Spritzen lässt eine Menge Fragen offen, da auch schon in den 50er Jahren die Wirkstoffe eigentlich oral eingenommen wurden!
Die Injektionen blieben für die Spieler nicht ohne gesundheitliche Folge! Kurze Zeit nach der WM erkrankte ein Großteil der Mannschaft am Hepatitis-B-Virus (mit der Folge Gelbsucht) und es wurden Leberschäden diagnostiziert. Die Erkrankung soll durch die Verwendung von nur zwei Spritzen für das Team verursacht worden sein. Die Spritzen waren nicht steril genug und übertrugen das Virus von Spieler zu Spieler.
So mussten im Winter 1954/55 zeitweise bis zu acht Spieler in Bad Mergentheim zur Kur wegen der Erkrankung. Dies wurde vor der Öffentlichkeit geheim gehalten und erst Jahre später bekannt.
Drei Spieler des WM-Kaders von 1954 verstarben an den Folgen der Gelbsucht. Richard Herrmann erlag im Alter von 39 Jahren an einer durch die Gelbsucht verursachte Leberzirrhose. Auch Werner Liebrich und Karl Mai verstarben an den Spätfolgen ihrer Gelbsucht.
Wir werden wohl nie erfahren, was genau sich in den Ampullen befand und inwiefern die Injektionen die Leistung der deutschen Mannschaft gesteigert hat und das Leben der Spieler so sehr verändert hat.
Das „Wunder von Bern“ wird für immer mit der ungeklärten Dopingfrage leben müssen! Das Finale von Bern und die Helden von damals sind Legenden für jeden deutschen Fußballfan. Viele Fragen, die gestellt werden müssten, werden vor Respekt vor den Spielern und dem deutschen Fußball wohl nie gestellt werden. Wir lieben unsere Vergangenheit und die zurückliegenden Erfolge. Doch es liegt in der Natur des Menschen diese Erfolge nicht kritisch zu hinterfragen, da wir Angst haben die Geschichte neu schreiben zu müssen.
Es ist jedem selbst überlassen, sich eine Meinung zu den Dopingvorwürfen zu bilden. Ich als Autor und Du als Leser können nur die Aussagen von Zeitzeugen und Fakten interpretieren, wie sie uns vorliegen. Mir liegt es fern, die Vorwürfe weder in die eine noch die andere Richtung zu manifestieren.
Legenden werden zu echten Legenden, wenn sie selbst mit einer Legende beehrt werden...
Highlights mit dem legendären Kommentar von Herbert Zimmermann:











