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"Ich bin der Beste!" -
Der sympathische Tulpengeneral
Louis van Gaal
Written by Chris Punnakkattu Daniel | Published on May 9, 2010


Louis van Gaal Arrogant, widerborstig und umstritten! Das war der Ruf der ihm vorrauseilte, als er im Sommer 2009 den vakanten Trainerposten beim FC Bayern München übernahm! In Fußballkreisen bekannt als die absolute Kompetenz und erfolgreicher Trainer – gehasst und gefürchtet von den Medien und Fans. Doch die Saison 2009/10 hat uns eine neue Seite an ihm gezeigt; eine neue Seite an Aloysius Paulus Maria van Gaal oder kurz Louis van Gaal.

Es war der 1. Juli 2009, als Louis van Gaal unter riesigem Medieninteresse seinen Dienst beim deutschen Rekordmeister FC Bayern München antrat. Seine Mission: Tore, Titel, Traumfußball! Der Verein und die Fans sehnten sich, nach einer verkorksten Vorsaison unter der Leitung von Jürgen Klinsmann, nach erfolgreichen und ansehnlichen Fußball.

Die Entscheidung des Vereins van Gaal zu verpflichten fand auch meine Zustimmung, da ich den Holländer für die absolut richtige Wahl erachtet habe! Er gilt als ein Genie seines Fachs. Einer der besten, wenn es um Taktik, Spielphilosophie und Talentförderung geht. Ein Trainer, der keine Angst vor großen Namen hat und nie ein Blatt vor den Mund nimmt! Einer, der wie Trainerkollege Jose Mourinho die Massen polarisiert! Ein Disziplinfanatiker und „harter Hund“, dessen gesamte Philosophie auf einer fundamentalen Regel beruht: RESPEKT!

Van Gaal hatte den Ruf sehr von sich überzeugt zu sein, seinen Mitmenschen arrogant und herablassend gegenüber zu treten und seine Ziele aggressiv zu verfolgen. Dies schien bereits nach der ersten Pressekonferenz in München bestätigt zu werden, als der Trainer sagte: „Mia san mir! Wir sind wir! Und ich bin ich! Selbstbewusst, dominant, ehrlich, arbeitsam, innovativ. Aber auch warm und familiär.“

In der Tat präsentierte sich der 58-jährige Übungsleiter in den ersten Wochen und Monaten sehr reserviert und knurrig. Er arbeitete sehr akribisch daran, seine Spielphilosophie seinen neuen Spielern zu vermitteln. Doch die Implementierung benötigte, wie nicht anders zu erwarten war, einige Zeit! Spieler und Trainer mussten sich zunächst einmal beschnuppern und zueinander finden, wobei van Gaal in den ersten Spielen der Saison viele Spieler und Startformationen ausprobierte.

Coach van Gaal setzte, wie in der Vergangenheit, auch in München vermehrt auf junge Talente. Der Holländer hat in seiner langjährigen Trainerkarriere Talente wie Clarence Seedorf, Patrick Kluivert, Xavi, Andres Iniesta oder auch Carles Puyol aus den Jugendmannschaften gezaubert und zu gestanden Spielern auf höchsten Niveau geformt! So schafften es in der bayrischen Landeshauptstadt Bubis wie Holger Badstuber, Thomas Müller, Diego Armando Contento, David Alaba oder auch Mehmet Ekici den Sprung in den Profikader!

Die Mischung aus gestandenen Superstars und jungen Talenten sollte laut van Gaal den Erfolg bringen. Doch die Resultate blieben zunächst aus! Die Ungeduld der Fans und der Medien wurde immer größer, was dem Holländer im Herbst fast den Job kostete. Der Trainer wirkte für viele stur und unbeugsam. Beratungsresistent und dickköpfig. Medienvertreter bekamen ihr Fett weg mit markanten Sprüchen und Statements. Es entstand sogar der Eindruck, dass die eigene Mannschaft nicht die Philosophie und das „System van Gaal“ verstand.

Doch van Gaal erkannte oder musste erkennen, dass er sich ein wenig mehr anpassen und öffnen muss, um seine Spieler und die gesteckten Ziele noch zu erreichen. Der inzwischen als „Tulpengeneral“ betitelte Trainer schaffte tatsächlich, sich mehr und mehr zu öffnen und eine Wandlung zu vollziehen. Die Wandlung ebnete auch intern den Weg, um das Zusammenspiel mit der Mannschaft, dem Verein und der Medienlandschaft in München merkbar zu verbessern. Van Gaal brillierte immer öfter mit amüsanten und sympathischen Auftritten auf dem Platz, an den Mikrofonen und im Umgang mit den Fans. Gleichzeitig nahm er kein Blatt vor den Mund und stellte sich immer schützend vor seine Mannschaft, wenn die kleinste Kritik aufkam.

Das mit Eigengewächsen gespickte Team des Rekordmeisters schaffte es nun den berühmten Hebel umzulegen und feierte wettbewerbsübergreifend zwölf Siege in Serie. Das „ganzheitliche Prinzip“ des Louis van Gaal funktionierte endlich. Erfolge in der Bundesliga, dem DFB-Pokal und der UEFA Champions League sprechen Bände! Die Meisterschaft ist bereits gesichert und van Gaal kann mit dem FC Bayern noch die beiden anderen Titel holen! Das berühmte Triple ist greifbar nahe!

Die Wandlung des Louis van Gaal zeigt sich in der Endphase der Saison immer deutlicher! Der holländische Starcoach wirkt mehr und mehr wie eine strenge, aber herzliche Vaterfigur, die von allen im Fußballzirkus, aber vor allem seinem Team, respektiert und geachtet wird. Er bezeichnet sich selbst als ein „Feierbiest“ und herzt seine Spieler im Erfolg und weist sie zurecht, wenn ein Fehlverhalten vorliegt! Er kümmert sich um die Bedürfnisse der Altstars im Team mit seiner langjährigen Erfahrung im Profifußball, wendet aber auch gleichzeitig seine pädagogische Kompetenz bei den jungen Spielern im Team an. Unzufriedene Querulanten wie ein Luca Toni werden maßgeregelt und aussortiert.

Die Meisterfeier im Berliner Olympiastadion am Samstag zeigte einen völlig aufgelösten und feiernden Louis van Gaal inmitten seiner Spieler! Bier- und Sektduschen inklusive ließ der Tulpengeneral alles über sich ergehen und strahlte vom ganzen Herzen nach dem ersten Titel der Saison.

Bemerkenswert ist dabei eine Situation, die ich hier nicht unerwähnt lassen möchte: Im ganzen Feiergetümmel verlor van Gaal nicht den Blick für seine jungen Spieler im Team, die noch ein wenig schüchtern dabeistanden. Er sah beispielsweise sein 17-jähriges Talent David Alaba auf dem Platz stehen und mit großen Augen die große Feier beobachtend. Van Gaal schnappte sich Alaba, rief die Meisterschale herbei, gab die Schale dem jungen Spieler und sagte ihm nur, er solle den Moment genießen und feiern! Eine Situation, die für viele vielleicht nichts Besonderes darstellt, doch für den jungen Alaba wird dieser Moment für immer in Erinnerung bleiben und zugleich den Mannschaftsgeist noch weiter verstärken.

Louis van Gaal hat sich innerhalb einer Saison weiterentwickelt und ein neues, für viele immer noch gewöhnungsbedürftiges, Ego präsentiert. Der holländische Meistercoach ist in München auf dem besten Wege eine neue Mannschaft zu entwickeln, die nicht nur den nationalen Fußball dominiert, sondern auch das Potenzial besitzt wieder langfristig eine Macht auf europäischer Bühne zu sein!

Wir dürfen gespannt sein, ob die van Gaalsche Mission im schnelllebigen Fußballgeschäft von Erfolg gekrönt sein wird...







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