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Versmold. Wenn Chris Punnakkattu Daniel von seiner Reise nach Katar erzählt, dann redet er immer schneller - Aufregung und Stolz platzen förmlich aus jeder Silbe. Vor zwei Wochen sah der Versmolder in Doha, der Hauptstadt des Emirats, ein Vorrundenspiel der Fußball-Asienmeisterschaft. 1:4 unterlag Indien gegen Südkorea, die dritte klare Niederlage im dritten Vorrundenspiel. Für den 29-Jährigen hat »sein Team« - mit vielen Spielern ist er befreundet - dennoch einen großen Schritt nach vorn gemacht. Dieses Hochgefühl lässt sich der Journalist auch durch eine große Enttäuschung nicht vermiesen.
Seit nunmehr elf Jahren trägt Punnakkattu Daniel die wichtigsten Neuigkeiten des indischen Fußballs in die ganze Welt hinaus, hat zusammen mit Mitstreitern das wohl bedeutendste Online-Portal über den gerade erwachenden Fußball-Riesen geschaffen (wir berichteten).
Und doch musste der Versmolder zuletzt den ersten Knick seiner Laufbahn verkraften. Denn die Homepage www.indianfootball.com, die Punnakkattu Daniel am Ende in einem Team von 20 Journalisten betrieb, ist seit etwa einem halben Jahr gesperrt. Erst Ende 2008 hatten der jetzt 29-Jährige und sein Mitstreiter Arunava Chaudhuri den Schritt gewagt und das Hobby zum Beruf gemacht. Ein Berliner Medienunternehmen förderte die Jungunternehmer beim professionellen Betreiben der populären Website. Doch mittlerweile ist die Partnerschaft geplatzt, es gibt einen Rechtsstreit. Mehr will Chris Punnakkattu Daniel dazu nicht sagen, doch zumindest gibt er Einblick in sein Gefühlsleben: „Natürlich bin ich darüber traurig. Die Seite war so etwas wie ein Lebenswerk.”
Nun liegt ihr Informationspotenzial vorerst brach: „Bei uns bestand der Inhalt zu 70 bis 80 Prozent aus indischem Fußball - so etwas ist derzeit natürlich schwer zu finden”, sagt der Versmolder. Er ist aus Berlin wieder zurück in die beschaulichere Heimat gezogen, arbeitet in seinem alten Beruf als Grafiker in Bielefeld - und hat eine neue Homepage aufgezogen. Auf der setzt der Sohn indischer Eltern allerdings neue Akzente, berichtet neben dem indischen auch verstärkt über internationalen Fußball und gesellschaftliche Themen - auf diesem Parkett konnte er jüngst eine seltene Gelegenheit nutzen.
Interview mit Bollywood-Superstar
„Ich hatte Kontakte zu einer indischen Management-Firma aufgebaut und bekam so vor einiger Zeit die Gelegenheit, Amrita Rao, einen Star der indischen Filmfabrik Bollywood zu interviewen”, erzählt Punnakkattu Daniel. Per Skype-Technologie unterhielt er sich mit dem 29-jährigen Superstar des Subkontinents in lockerer Atmosphäre von PC zu PC über ihre Karriere, ihre Pläne, ihre Projekte - und Fußball. „Das Ganze war sehr locker, weil der Kontakt über ihr Management gelaufen ist”, erzählt der heimische Journalist. „Sie hat mir auch verraten, dass sie sich vorstellen kann, Botschafterin für den indischen Frauenfußball zu werden.”
An solchen Anekdoten ist zu merken - Fußball bleibt für den Versmolder, der als Indien-Fachmann auch bei verschiedenen Verbänden und Vereinen gefragt ist, das alles beherrschende Thema. „Wir müssen jetzt am Ball bleiben, unsere Kontakte pflegen”, erzählt Punnakkattu Daniel. Auch darum war ihm die Reise zur Asienmeisterschaft so wichtig. Und trotz der auf den ersten Blick bescheidenen Ergebnisse bleibt er ein glühender Verfechter der indischen Perspektiven: „Wir waren zum ersten Mal seit 27 Jahren überhaupt wieder bei diesem Turnier dabei und haben angesichts der äußerst niedrigen Erwartungen gut gespielt.” Nicht nur aufgrund der freundschaftlichen Beziehungen zum Verband und den Spielern glaubt der Journalist an das Potenzial des riesigen Landes: „Es ist gut, dass die WM 2022 nach Katar und damit erstmals nach Arabien kommt. 2026 oder 2030 wäre das auch in Indien möglich. Wir werden uns bis dahin weiter verbessern.”
Journalist beherrscht zwei der 16 Amtssprachen
Chris Punnakkattu Daniel ist Deutscher, findet sich in Indien aber bestens zurecht. Er spricht Englisch und mit dem Dialekt Malayalam eine weitere der 16 offiziellen Amtssprachen. Ob er sich vorstellen könnte, einmal dort zu leben? „Möglich ist alles. Vielleicht finde ich ja Arbeit beim Fußballverband.” Derzeit werkelt der 29-Jährige von Versmold aus an seiner Zukunft. Hofft, dass der Rechtsstreit bald beigelegt ist und er sich neu orientieren kann. Irgendetwas mit »seinem« indischen Fußball dürfte die Zukunft in jedem Fall zu tun haben.










