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„Heimat ist die Gesamtheit der Lebensumstände, in denen ein Mensch aufwächst“, heißt es auf Wikipedia. Chris Punnakkattu Daniel, 29-jähriger Mediendesigner, freiberuflicher Journalist und Fußballexperte, ist im westfälischen Versmold geboren und aufgewachsen. Zur besagten Gesamtheit seiner Lebensumstände kommt hinzu, dass seine Eltern aus dem Südwesten Indiens stammen. Das hat ihn nicht unbedingt zu einem der „Helden“ gemacht, wie wir sie sonst mit direktem Bezug zur Region OWL vorstellen - sehr wohl aber zu einer Person, die sich mehr als einer Heimat verbunden fühlt.
„Ihr habt eine Milliarde Einwohner, warum kriegt Ihr da keine elf guten
Spieler zusammen?“ dürfte eine der ersten Fragen zum indischen Fußball
gewesen sein, denen Chris sich damals auf dem Bolzplatz gestellt hat.
In der Tat ist das Land, aus dem seine Vorfahren stammen, schon lange
keine nennenswerte Größe mehr im internationalen Geschäft um die schönste
Nebensache der Welt: Zwar war Fußball dort aufgrund der englischen Kolonialzeit
sehr früh verbreitet, nach einem Höhenflug in den 60ern stagnierte
die Entwicklung aber. Statt den Nachwuchs zu fördern, ruhte sich das
indische Nationalteam erst einmal auf seinen Lorbeeren aus und verpasste
dadurch den Anschluss. Dementsprechend große Schwierigkeiten hatte Chris 1998 auf der Suche nach einem Trikot der Landesauswahl. Erst im darauf folgenden Jahr gelang es ihm, das Objekt der Begierde auf www.indianfootball.com ausfindig zu machen. Schnell kam ein recht reger Austausch mit dem ebenfalls deutschen Betreiber Arunava Chaudhuri der Seite zustande, der sie im Rahmen eines Studienprojekts ins Leben gerufen hatte. Aus dem Austausch wurde schließlich das Angebot an Chris, aktiv an der weiteren Gestaltung teilzunehmen. Er akzeptierte.
Als Motivation gibt Chris zum einen sein generelles Interesse am Kampf
um das runde Leder und zum anderen seine Verbundenheit zur indischen
Heimat an, in der er schon als Kind oft die kompletten Schulferien verbracht
und Verwandte besucht hat. „Wie spielen sie Fußball in dem Land, in
dem meine Wurzeln liegen?“, ging ihm durch den Kopf - durch seine hinzugewonnene
Tätigkeit sollte er genau das im Laufe der nächsten Jahre umfassend
erfahren. Beim ambitionierten Projekt profitierten Chris und sein Kollaborateur unter anderem davon, dass umfangreiche Online-Berichterstattung in ihrem Bereich quasi non-existent war und das heute kaum noch aus dem Alltag wegzudenkende Internet gesellschaftlich noch in den Kinderschuhen steckte. Hinzu kam außerdem eine Verschiebung des Fokus im Vergleich zu indischen Seiten, die sich mit Fußball befassen: Aufgrund der bereits erwähnten Kolonialvergangenheit ist die britische Premiere League das große Ding in der südasiatischen Republik, die heimische Liga hingegen fristet eher ein Nischendasein. Der Weiterentwicklung der eigenen Ballkunst wird so natürlich kaum geholfen.
Hauptaufgabe von IndianFootball.Com wurde es folglich, seriös und informativ über relevante Ereignisse zu berichten. Dazu wurden Online-Ausgaben indischer Zeitungen durchstöbert, um regelmäßig Ergebnisse, Transfers oder sonstige Neuigkeiten verbreiten zu können. Durch die zuverlässige Instandhaltung der Homepage konnte recht bald die Aufmerksamkeit von gleichgesinnten Lesern erregt werden, die immer häufiger ihre Unterstützung angeboten und die Nützlichkeit der Seite damit weiter gesteigert haben.
Dieses Engagement blieb auch einheimischen Journalisten und – vielleicht
noch bedeutsamer – einheimischen Offiziellen nicht verborgen. So kam
eine Kooperation zustande, die Chris klar als eines der Highlights seiner
Zeit im Dienst des Internetportals benennen kann. Als die indische U17-Nationalauswahl
nämlich im Jahre 2002 in Deutschland gastierte, fungierte Chris als
Teammanager und hat so neben der journalistischen Betreuung der Vorgänge
erstmals auch in den organisatorischen Bereich reinschnuppern dürfen.
Eine amüsante Anekdote gibt es dazu auch gleich noch: Bei einem Testspiel
gegen eine Jugendmannschaft des 1. FC Köln lagen die Inder bis kurz
vor Schluss mit 3:1 in Führung, ehe ein Doppelpack durch einen gewissen
Lukas Podolski im letzten Moment noch für ein Unentschieden gesorgt
hat. Im Laufe der folgenden Jahre konnte sich IndianFootball.Com einen immer höheren Stellenwert erarbeiten, den Chris sogar mit dem Kicker-Magazin für den deutschen Markt vergleicht. Die Seite wurde eine Art Schnittstelle zwischen der indischen Fußballwelt und allen Leuten von außerhalb, die sich aus welchem Grund auch immer dafür interessiert haben. Wenn eine Expertenmeinung für BBC, die Deutsche Welle oder n-tv gefragt war, stand Chris zur Verfügung; kompetente Auskunft haben sich auch der FC Bayern, Liverpool oder die DFL eingeholt.
Die IndianFootball.Com-Ära ist im Februar 2010 bedauerlicherweise zu
Ende gegangen, Chris selbst hat seine Liebe zum Fußball dadurch aber
selbstverständlich nicht verloren. Nach wie vor steht er gern als Fachmann
zur Verfügung und philosophiert auf seiner eigenen Homepage (www.chrispd.de)
und anderen internationalen Medien über seinen Lieblingssport. Außerdem
konnte er sich Mitte Januar keineswegs entgehen lassen, vier Tage beim
Asian Cup in Katar zu verbringen: Die indische Nationalmannschaft hat
sich erstmals nach 27 Jahren wieder für das Turnier qualifiziert, zudem
sind einige der heutigen Spieler schon 2002 gegen Köln dabei gewesen.
Vertrauensvolle Freundschaften sind dadurch entstanden, die unter anderem
SMS mit taufrischen Infos aus dem Spielertrakt mit sich bringen. Zwar ist Indien als Außenseiter an den Start gegangen und letztendlich punktlos nach Hause gefahren, eine Formsteigerung war aber klar zu erkennen. Deshalb ist sich auch Chris sicher, dass die Auswahl in „zehn bis 15 Jahren wieder top in Asien“ sein kann. Wir sind gespannt!
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